INTRO
Text: Oliver Minck
Endlich mal wieder eine deutschsprachige Band, die sich aus dem Fenster lehnt. Denn eins ist klar: Die Mehrheit der hiesigen Indiehörerschaft wird Erik & Me zum Würgen finden.
Ehrlich-mannhafte Sangesinbrunst à la Kettcar? Nein. Bajuwarisches Spitzbubentum wie bei den Sporties? Weit gefehlt. Dann wenigstens ein bisschen tocotronischer Bildungsbürger-Rock? Auch nicht. Zu dumm, da muss man wohl tatsächlich eine neue Schublade aufmachen für dieses Berliner Quartett. Die in Deutschland so viel beschworene und immer wieder eingeforderte Authentizität ist nämlich das Letzte, worum es der Band geht. Hier zählt allein die Inszenierung. Deswegen gibt es haufenweise Melodrama, Pathos und Manierismus - was auf Deutsch eben ziemlich ungewöhnlich klingt. Und das ist gut so. Sänger Erik Lautenschläger orientiert sich stimmlich eher an Britpop-Königen wie Brett Anderson; mit seinem so gestelzten wie beeindruckenden Falsett wird er noch zur echten Gefahr für Maxi Hecker.
Musikalisch zieht die Band zwischen intimem Kammerpop und mit Bläsern und Streichern bombastisch inszeniertem Kunstpop alle Register. Mit "Niemand" ist sogar ein potenzieller Hit an Bord. Dass man aufgrund der Melodienseligkeit die Texte nur bruchstückhaft versteht, macht nichts. Bei Radiohead ist man ohne Booklet schließlich auch aufgeschmissen. Zu befürchten bleibt allein, dass es hierzulande kein Publikum gibt für eine solch unkonventionelle musikalische Haltung. Oder gibt es doch noch Hoffnung?
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