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Zwischen Wellness und Weltschmerz
Erik & Me setzten im Subrosa einen angenehmen Kontrast zum Kieler-Woche-Wirbel.
Von Jörg Meyer
Danke, Subrosa, danke, dass ihr Erik & Me just für diesen Sonnabend eingeladen habt! Wer als Westuferbewohner zum Gaardener Subrosa und den Indie-Poppern aus Berlin vordringen will, muss erst durch das Inferno der Massen, die sich an der Kai-City bis zum Stillstand drängen. Und kommt mitten aus dem Lärm in die Stille einer Songkunst zwischen Wellness und Weltschmerz, ist hernach geläutert, gereinigt vom Krachledernen des Kieler-Woche-Rummelpotts.
Zwischen der – nennen wir es ruhig so – Hölle dort und dem Himmel hier liegen Welten, die des ewig gestrig Wiederholten dort versus einer innovativen Kunst hier, die die Stille sucht, ohne dabei leise zu treten. Erik & Me verpacken Melancholie in die hellen Riffs des an amerikanischen wie britpoppenden Vorbildern orientierten Indie-Pops. Sweet sind die Tunes, melodieverliebt agieren die Gitarren (Erik Lautenschläger und Dave Bennett), intelligent fundamentiert und collagiert der Bass (Madze Peng), grundgütig werken die Drums (Rainer Baumgartner). Und Erik Lautenschlägers gelegentlich in honigsüßes Falsett exaltierte Stimme spricht vom Randständigen, von den exzeptionellen Momenten, wo die Seele sich in „Letters“ vergeblich auszudrücken sucht oder in „Green, green Gras“ eben solches zwecks Erreichung psychedelischer Klang-Zustände nutzt.
Tieftraurig schreiten Songs wie „Above“, der Weltschmerz trieft – bewusst ohne Drums, nur mit Stimme und Gitarren – ohne dabei schmalzig zu werden. Erik bittet um Aufmerksamkeit, denn manche der Zuhörer sind eigentlich nur zum Abendessen hier. Es soll ihr Abendmahl werden. Er schließt die Augen und singt herzzerreißend vom Augenblick, „wenn die Mittel extremer werden müssen, um überhaupt zu fühlen“. Ein inniges Gebet.
Doch nicht nur in den letzten beiden Songs, für die Erik ankündigt, sie seien „fröhlicherer Natur“, gilt der Wellness-Faktor, den das Quartett zudem zu bieten hat. Schon der Kontrast zwischen dem Opener „Rain“ und dem Nachfolger „Sunshine“ setzt Wegmarken, die die alte Theorie bestätigen, dass Melancholie nicht notwendigerweise gleich Trauer sei, sondern durchaus freudige, weil die Welt erkennende Anteile hat. Mit „The Son“, einer geradezu Persiflage auf den allgegenwärtigen Latino-Sound, der auf der Kieler Woche ein Fördeufer weiter aus jeder Caipie-Bude schallt, gelingt den Berlinern ein Abräumer, ein Rhythmus-Elaborat, das in die Beine geht.
Wellness pur, weil Weltschmerz mitschwingt. So kehrt der Westuferbewohner befriedigt zurück, streift nochmal die Kieler-Woche-Wirbelwinde und denkt: Leute, wäret ihr doch bloß zuhauf der Einladung des Subrosa und von Erik & Me gefolgt. Euer Abend wäre spannender und entspannter gewesen.
Kieler Nachrichten 21.06.2004
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