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"Erik and me" im Druckluft:
Die Berliner Band spielte unbeschreiblich schön, unverschämt verschachtelt und leider ziemlich unerhört.

Oberhausen braucht eine Universität, möchte man meinen. Vielleicht wären dann kleine, außergewöhnliche Konzerte wie das von "Erik and me" am Donnerstag in der Druckluft-Kneipe besser besucht, und zwei der eifrigsten Konzertveranstalter dieser Stadt - die Brüder Andreas und Kevin Kerndl - müssten nicht an der Kasse stehen, warten und sich fragen, was sie bloß falsch machen.
Dabei machen sie viel richtig: Buchen interessante Bands, werben dafür und suchen passende Orte aus. Doch die Oberhausener zwischen, sagen wir, 20 und 30 Jahren, die interessiert´s offenbar kaum, wenn die "Olgas Rock"-Macher experimentieren und eine (noch) unbekannte Band holen.
Das darf man im Falle der Indie-Pop-Gruppe "Erik and me" aus Berlin besonders schade finden. Das Quartett kann laut sein ohne Krach zu machen, leiden ohne theatralisch zu werden, Klänge ausprobieren ohne sich ins Unhörbare zu manövrieren.
Wenn Frontmann Erik mit dem wunderbaren Nachnamen Lautenschläger, der hagere Typ in Cordhose und Pullover, aus dem ein Hemdkragen ragt, der Mann, der fast scheu wirkt und im Gespräch noch berlinert hat, die Augen schließt und mit Kopfstimme singt, muss man nicht Philosophie studieren, um ihn zu verstehen. Er schraubt das Falsett fast bis zum Bruch nach oben und legt seine Stimme über einen erstaunlich dichten Sound.

Wenige, gut dosierte radiotaugliche Momente

Madze Peng macht einen guten Job am Piano und am Bass - nicht nur am elektrischen, sondern auch an dem aus Holz - Gitarrist Dave Bennett bekommt viel Raum für schräge Töne, die sich immer rechtzeitig in schöne Melodien auflösen, bevor sie nerven könnten und Merle Ehlers - erst seit Anfang 2005 in der Band - treibt am Schlagzeug die komplizierten Rhythmen voran.
In den wenigen, gut dosierten radiotauglichen Momenten klingen sie ein bisschen wie "Coldplay" oder "Starsailor", doch nie wirklich ähnlich. Weil sie experimentieren, gelingen ihnen Songs wie "Quiet" und "The Son", die unbeschreiblich schön und fast unverschämt verschachtelt sind. Nur ganz selten gibt´s eine Prise Rock´n´Roll, ziemlich oft aber Momente, in denen alle vier die Augen geschlossen haben und anscheinend absolut zufrieden sind mit dem, was sie da tun.
Ein gutes Konzert, das mit dem Akustik-Set der Oberhausener Band "Taschakor" einen passenden Auftakt hatte. Aber auch eine verpasste Chance, das Klischee zu widerlegen, nur Universitätsstädte könnten sich solche Konzerte leisten.


"Leiser Lautenschläger"
von Marc Hippler
Neue Ruhr Zeitung
16. Dezember 2005

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