Persona Non Grata
von Jörg Gruneberg
Steh doch mal auf! Genauere Zustandsbeschreibungen werden gewünscht, bitte bestätigen Sie kurz die Entgegennahme dieses Schreibens. Komischerweise fühle ich mich nicht verpflichtet, mich unter den Umständen zurückzuziehen oder frühzeitig zu resümieren. Fast ein Jodler, sowas kommt doch auch nicht alle Tage vor.
Generell bleibt alles im Farbübergang und verwischt sich mit Luft. Die Formensprache bedarf keinerlei Hinterfragen oder Vergegenwärtigen. Als bodenständiges Herumgeschwebe artikuliert sich eine empfindsame unantastbare Regung, kalt auf warm – die Frage ist gar nicht, ob oder wo, sondern dass man „Es“ wiedergefunden zu haben glaubt, jenes Etwas, das kurz weg war, eben nur mal schnell woanders.
Das passt alles schon so zusammen, als würden zehn Jahre Bandgeschichte hinter Ihnen liegen. Gar nichts mehr muss ausprobiert, verstärkt werden. Erik & Me präsentieren sich als idealst schamvolle Reaktion auf den massenhaft auftretenden mülligen deutschen Chart-Pop im alternativen Gewand, Marke Juli, Mia,Wir Sind Helden et cetera.
Bei Erik & Me werden Inhaltskonstanten, die im Allgemeinen stark nachgefragte Smartness eines verblödeten Durchschnittsgewissens und die sich daraus ableitende nebelige Sicht auf eine Scheiß-Welt, nicht gebraucht. Hier wird geschmeckt, darf etwas riechen, Gestank-Metaphern lösen sich nicht so einfach bei Bedarf in Mode, Geld oder Attitüde auf.
Eine stinknormale Gruppe entdecke ich mal wieder, nichts Besonderes, wirklich. Das macht mich gerade so hellhörig. Spuren von Indie- und Folkrock, die sich an schwülstigem Schlager reiben – aber eben doch ihre autonomen Verhaue nicht so ohne Misstrauen verlassen. Da ist ein bisschen Flowerpornoes- und auch Go Plus oder Jens Friebe (und alles zusammen in „Niemand“), da sind diese zarten Wellenbewegungen bei gleichzeitigem rau und schnöde heruntergespielten Sound. Alles noch mal ein Stück weg vom Diskursrock. Alles nur einfache Lieder, Alltagsdinge, stinknormale Ewigkeitsminiaturen – und dann eine Gesangsstimme, die sich vom diesem Klangbild ablöst, aufsteigt in teils falsettartige Höhe und nach jeweils nach viel zu kurzer Zeit – aber im gefühlt richtigen Moment - wieder herunterkommt.
Die Stimme ist praktischerweise nicht zu schön, nicht zu schleimig. Und dennoch wirkt sie, durch das was sich da einer damit ausdenkt und zurechtmoduliert tatsächlich aufregend und neu. Das kann ich gar nicht anders sagen.
Dagegen werden die Texte von mir am Anfang fast fahrlässig überhört – und dabei sind sie doch stellenweise tatsächlich so dicht dran an der Peinlichkeit, am Kitsch, dass Vergleiche mit Xavier Naidoo oder Münchner Freiheit von Spöttern bestimmt kommen werden. Aber das ist gerade interessant – die Band hier geht halt, und das ist das Erfreuliche, mal wieder ein echtes Wagnis ein.
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