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Pankower Meisterklasse
Erik & Me versehen ihren fragilen Akustikpop neuerdings mit deutschen Texten
Soll keiner sagen, Erik & Me wären nicht flexibel. Wer die Band um den Pankower Songschreiber Erik Lautenschläger bucht, hat die Wahl, ob er lieber Englisch oder Deutsch hören will. Englisch zu texten war für den Bandnamensgeber lange Zeit "eine Selbstverständlichkeit" denn schließlich ist dies Singsprache so geschätzter Vorbilder wie dEUS oder Calexico. Die neuesten Songs tragen nun aber Titel wie "Kein Schlaflied", "Niemand" oder "Nur das Gras" ? und schon ruht die Aufmerksamkeit stärker auf dem fragilen, oft ins Falsett abhebenden Gesang des Berliners. "Natürlich wird genauer hingehört, wenn du auf Deutsch singst", weiß er, "man darf sich weniger Schwächen erlauben. Bei Bands wie Depeche Mode, die fast schon legendär sind für ihre schlechten Texte, ist man viel toleranter."
Der 32-Jährige hat da wenig zu befürchten. Seine Sprache ist einfach, aber feinsinnig. Einen weiteren Vorteil schätzt Lautenschläger an der Muttersprache: "Mit deutschen Texten kann ich witzig sein und mit Worten spielen. Auf Englisch triffst du's leider oft nicht ganz." Musikalisch hat sich seit der ersten selbst produzierten CD vor drei Jahren wenig verändert: Akustikgitarren, mit Besen gestrichene Drums, Kontrabass, Trompeten und Glockenspiel verbinden sich zu verhaltenem Kammerpop, der an Klangästheten wie Lisa Bassenges Neo-Chanson-Projekt Nylon erinnert. Wie die Kollegin scheut sich auch Lautenschläger nicht vor viel Gefühl und Zerbrechlichkeit in der Stimme. Im deutschsprachigen Indie-Pop ist das eine Seltenheit. "Gerade bei Männern ist es recht verbreitet, die Dinge so nüchtern wie nur möglich vorzutragen. Mir wäre das zu langweilig."
Der Mut der Band zur Veränderung blieb nicht unbeachtet. Zusammen mit drei weiteren Ausgewählten zählen Erik & Me zu den Teilnehmern des Popcamp, dem "Meisterkurs für Populäre Musik", mit dem der deutsche Musikrat talentiertem Indie-Nachwuchs Starthilfe zur Profikarriere leistet. Nach intensiven Sessions im Studio, auf der Probebühne und im Klassenraum, wo man unter anderem Musikrecht paukte, werden die Teilnehmer jetzt quasi mit einem Absolventenkonzert den nächsten Schritt auf dem langen Weg zum Pop-Olymp machen.
Ulrike Rechel
TIP 23/06
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